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Chronik des Musikvereins
Stadtkapelle Niederstotzingen e.V.

Chronik Teil 1

Das Gründungsjahr und die wirtschaftlichen Gegebenheiten

Die Gründung im Jahr 1923 fällt in eine Zeit, in der die Sorgen um die täglichen Lebensbedürfnisse fast nicht zu bewältigen waren. Die Inflation hatte damals einen unvorstellbaren Höhepunkt erreicht. Täglich mussten die neuen Geldkurse erwartet werden, erst dann konnten Ein- oder Verkaufsgeschäfte getätigt werden. Damals im Oktober – so erfahren wir aus Aufzeichnungen von Leonhard Engel – fanden sich acht Kameraden zusammen, die Blasmusik lernen wollten. Sie gingen zur Familie Josef Brentel, die schon seit zwei Generationen mit Musikern aus Oberstotzingen, Rammingen und Burgberg bei besonderen Anlässen musizierten und fragten dort um Rat. Josef Brentel hatte das Musizieren von seinem Vater, der Militärmusiker war und die Blasmusik weiterpflegte, erlernt. Zusammen mit Josef Spägele, Fritz Rykmanns und den genannten Musikern machte er in den Orten der näheren Umgebung Musik. Brentel erklärte, es würde ihn freuen, wenn hier eine größere Kapelle gebildet werden könnte, aber da brauche man Instrumente, Noten, usw.. Daraufhin führten die acht unternehmungsfreudigen jungen Männer eine Naturalien- und Geldsammlung durch. Von vielen Bürgern in Niederstotzingen wurden Weizen und Gerste gespendet, aber auch Geld. Der Erlös ergab die schöne Summe von 78 Billionen Mark!
Aus einem Kassenbuch der Musikgesellschaft Niederstotzingen, das als eine der wenigen authentischen Quellen des ersten Vereinsleben erhalten geblieben ist und dessen erste Buchungen das Datum Oktober 1923 tragen, geht eindeutig hervor, dass die Gründung der erweiterten Musikkapelle auf Vereinsbasis erfolgte. Dieses Buch gibt auch einen interessanten Einblick, wie das Auf und Ab der Vereinsgeschichte von der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung beeinflusst war.
Als Gründer der Musikkapelle sind aufgeführt: Josef Brentel (Dirigent), Hans Bosch (Vorstand), Leonhard Engel, Fridolin Ruf, Hermann Schmidt, Jakob Fröhlich, David Unseld, Josef Spägele, Max Schmid und Leonhard Bunz.

 

Erste Aktivitäten 1924 - 1926

Am Ostermontag 1924 trat die neu gegründete Musikkapelle erstmals mit einer Tanzmusik in der Öffentlichkeit auf. Es gab erste spärliche Einnahmen. Noten und Instrumente sowie die Tanzsteuer mussten von den Musikern zum Teil aus eigener Tasche bezahlt werden. So hatten z. B. an einem in Burgberg mit Weizen gekauften gebrauchten Es-Bass vier Musiker Eigentumsanteil. Die neue Musikkapelle fand lebhaftes Interesse bei der Bevölkerung und spielte schon bei einigen privaten – und Vereinsfesten auf.
Nachdem das Jahr 1925 ein Jahr der Stagnation gewesen war, bei dem von April bis Dezember der Kassenstand bei 73 Pfennig stehen blieb, gab es 1926 und die folgenden Jahre einen deutlichen Auftrieb. Regelmäßig spielte die Musikkapelle bei Hochzeiten im Ort, aber auch in der näheren Umgebung, insbesondere in Stetten, Bissingen und Riedhausen. Dadurch stiegen auch die Einnahmen der jungen Kapelle sprunghaft an, und konnten nach Abzug der Kosten und Ausgaben unter den Musikern aufgeteilt werden. Sie stellten in der damaligen kargen Zeit einen erfreulichen Nebenverdienst dar. Dies allein jedoch war nicht der Antrieb zum Musizieren. Den Musikern ging es darum, die Liebe zur deutschen Volks- und Blasmusik in ihrem Heimatort zu wecken und zu pflegen.

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